Coronavirus COVID-19

Der derzeitige Informationsfluss seitens diverser Ämter zum Thema Corona-Kurzarbeit gleicht regelrecht einem Jahrhunderthochwasser, ähnlich dem in 2006. Wir verstehen daher, dass viele von Ihnen nicht mehr durchblicken und auch wir kämpfen jeden Tag mit den Neuigkeiten.

Daher versuchen wir hier den aktuellen Stand (23.03.2020 um 17.50 Uhr) so verständlich wie möglich zusammenzufassen:

Warum sollte ich Kurzarbeit beantragen?
Ich könnte die Leute auch kündigen.

Natürlich ist eine Kündigung möglich und in allen Fällen, die günstigere und einfachere Variante. Aber jeder gekündigte Arbeitnehmer, muss (hoffentlich) in wenigen Wochen/Monaten wieder nachbesetzt werden. Die einzige Alternative zur Kurzarbeit, wäre eine einvernehmliche Lösung mit Wiedereinstellungszusage, an welche sich der Dienstnehmer nicht halten muss.

Mit der Kurzarbeit sichern Sie sich das Knowhow im Betrieb und das eingespielte Team, um nach erfolgreich absolvierter Krise wieder durchstarten zu können mit dem Vorteil der flexiblen Stundenanzahl. Je nachdem wie schnell sich Ihr Unternehmen erholt, können Sie mehr oder weniger Stunden von Ihren Dienstnehmern „abrufen“.

Wer kann Kurzarbeit beantragen?

Alle Unternehmen, die durch die Maßnahmen gegen das Coronavirus vorübergehend in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, können unabhängig von der Betriebsgröße und der Branche Kurzarbeit beantragen. Ausgenommen sind (noch) Bund, Land, Gemeinden, politische Parteien und Unternehmen, die sich in einem Insolvenzverfahren befinden.

 

Für wen kann Kurzarbeit beantragt werden?

Alle vollversicherten Dienstnehmer (Lehrlinge, Angestellte, Arbeiter) können in Kurzarbeit geschickt werden, sowie ASVG-versicherte (angestellte) Geschäftsführer – unabhängig von der Arbeitszeit, also auch Teilzeitbeschäftigte können miteinbezogen werden.

  • ACHTUNG! Nicht möglich für geringfügige Dienstnehmer & freie Dienstnehmer

Muss mein Mitarbeiter seinen Urlaub oder Zeitausgleich konsumieren?

NEIN – diese Regelung gibt es nicht mehr. Aber es wird seitens des AMS und der WKO dringend empfohlen offene Urlaubstage und Zeitausgleichsguthaben zu konsumieren. In diesem speziellen Fall darf der Konsum der Urlaubstage seitens des Dienstgebers angeordnet werden.

Was muss ich dem Mitarbeiter bezahlen?

Der Mitarbeiter hat eine Nettoentgeltgarantie, das bedeutet, er bekommt je nach Höhe des Bruttoeinkommens vor Beginn der Kurzarbeit entweder 80% – 85% oder 90% seines Nettoentgelts. Dieses Nettoentgelt wird auf ein neues Bruttoeinkommen hochgerechnet und aufgeteilt in das Arbeitsentgelt für die reduzierte Arbeitszeit und das Kurzarbeitsentgelt.

Hier ein sehr vereinfachtes Beispiel:

Angestellter 2.000 EUR brutto (1.495 EUR netto) für 40 Std. wird auf 50% reduziert

Dann bekäme er für 20 Std. 1.000 EUR brutto (849 EUR netto) – Nettoentgeltgarantie sagt er muss 85% von 1.495 EUR bekommen = 1.271 EUR hochgerechnet sind das 1.578 EUR brutto

Ich muss daher meinem Dienstnehmer für 20 Std. 1.578 EUR statt 1.000 EUR Brutto bezahlen. Den Mehraufwand in Höhe von 578 EUR zuzüglich Lohnnebenkosten bekomme ich erstattet.

Was bekomme ich vom AMS ersetzt?

Das AMS rechnet die Kurzarbeitsbeihilfe in Pauschalsätzen je Ausfallstunde ab. Das bedeutet, wenn 50% der Arbeitszeit ausfallen, ersetzt das AMS 20 Std. * 4,33 Wochen * Pauschalsatz.

Dieser Pauschalsatz inkludiert den Mehraufwand zum Brutto für die vereinbarte Arbeitszeit (20 Stunden bei Reduktion um 50%) als auch die Sozialversicherungsbeiträge und lohnbezogenen Dienstgeberabgaben.

Führen wir das Beispiel oben fort:

Dienstgeberkosten für 20 Stunden liegen aufgrund der Kurzarbeitsvereinbarung bei rund 2.149 EUR statt 1.300 EUR *) zuzüglich müssen die Sonderzahlungen vom Brutto vor Kurzarbeit bezahlt werden, also 2.000 EUR * 1/6 = 333,33 zzgl. LNK ca. 435 à Mehraufwand 1.284

Zuschuss vom AMS lt. Pauschalsatztabelle 1.283,14 (20 Std. x 4,33 x 14,82 EUR

Muss der Mitarbeiter jede Woche arbeiten kommen?

Nein, natürlich nicht. Vor allem seit 16.3. wo einige Ihrer Geschäfte behördlich geschlossen wurden, wäre das unzumutbar. Die zu erbringende Arbeitszeit muss im Durchschnitt mind. 10% und darf maximal 90% betragen und DARF (nicht muss) im gesamten Kurzarbeitszeitraum auch einmal auf 0% gesenkt werden. Im Durchschnitt über den gesamten Kurzarbeitszeitraum muss aber die vereinbarte Arbeitszeit erbracht werden.

Beispiel: 3 Monate Kurzarbeit; Beginn 16.3. mit einer Arbeitszeit von 10% bei 40 Stunden

16.03. – 16.04. geschlossen, Arbeitszeit 0 % (4 Wochen – 0 Stunden)
17.04. – 16.05. geöffnet, wenig Geschäft Arbeitszeit 10% (4 Wochen – 16 Stunden)
17.05. – 16.06. geöffnet, mehr Geschäft Arbeitszeit 20% (4 Wochen – 32 Stunden)

Im Durchschnitt über 12 Wochen wurden 48 Stunden gearbeitet, das sind 4 Stunden pro Woche also wieder 10%.

Was passiert, wenn der Mitarbeiter krank wird oder seinen Urlaub konsumieren möchte?

Wird ein Mitarbeiter krank (NICHT Corona-Virus, sondern bsp. eine Nebenhöhlenentzündung) dann geht er ganz normal in den Krankenstand und bekommt sein Entgelt fortgezahlt, so wie es bisher auch war. Seit HEUTE ist es so, dass auch diese Zeit im Ausmaß der Kurzarbeit vom AMS bezahlt wird.

Der Konsum von Urlaub wird seitens des AMS nicht gefördert, dieser ist zur Gänze vom Unternehmer zu tragen.

KANN ICH DIE KURZARBEIT WÄHREND DER LAUFZEIT ABWANDELN?

Verbessert sich die Auftragslage und es wird mehr gearbeitet, als ursprünglich angenommen ist das kein Problem. Die Abrechnung der Kurzarbeitsbeihilfe erfolgt monatlich je Dienstnehmer nach tatsächlichen Verhältnissen.

WICHTIG! Wird mehr gearbeitet und weniger Beihilfe benötigt, ist das ohne weitere Information an das AMS möglich. Kann die Arbeitszeit nicht eingehalten werden und die Ausfallzeiten steigen, gebührt keine höhere Beihilfe, außer diese Änderung wird beim AMS eingebracht und genehmigt. Daher lieber vom „worst-case“ ausgehen!

Wo beantrage ich das Ganze?

Die Beantragung erfolgt in zwei Schritten, zunächst ist mit den betreffenden Dienstnehmern eine Sozialpartnervereinbarung zu unterschreiben und an die WKO zu schicken.

Zeitgleich kann der Antrag auf Kurzarbeitsbeihilfe per Email oder per Post an die jeweils zuständige AMS Landesstelle geschickt werden (vereinzelt wird der Antrag auch von der zuständigen Bezirksstelle verarbeitet).

Infos unter:

https://www.wko.at/corona
https://www.ams.at/unternehmen/personalsicherung-und-fruehwarnsystem

Der eingebrachte Antrag ist keine Garantie auf Bewilligung! Das AMS versucht alle Anträge binnen 30 Tagen zu erledigen, bis dahin können nur vorläufige Abrechnungen in der Lohnverrechnung erstellt werden.